Montag, 13. September 2010
Die neueste Studie der Deutschen Sporthochschule Köln belegt es: nur jeder siebte Deutsche lebt gesund, 40% bewegen sich zu wenig.
Unser Körper hat die gleiche Beschaffenheit wie vor 200 Jahren, unser Alltag jedoch keineswegs. Wir sind geschaffen für einen täglichen Aktionsradius von 15-20 km, im Durchschnitt bewegen wir uns aber nur 700-800 m.
Früher stand man mit dem ersten Hahnenschrei auf, betätigte sich tagsüber körperlich auf dem Feld oder in der Schmiede und ging mit dem Sonnenuntergang ins Bett. Heute steht man auf, wenn der Wecker klingelt, setzt sich erst an den Frühstückstisch, dann ins Auto, dann an den Arbeitsplatz im Büro, dann wieder ins Auto und schließlich vor den Fernseher. Wir sitzen praktisch den ganzen Tag.
Umso wichtiger ist es, die Sitzgelegenheiten unseres Alltags so ergonomisch wie möglich zu gestalten. Der Platz, auf dem wir die meiste Zeit des Tages verbringen, ist der Arbeitsplatz bzw. -stuhl. Wie sollte also ein ergonomisch designter Bürostuhl aussehen?
Alles was ein Designer entwirft, verfolgt das Ziel, die Bedürfnisse des Menschen zu erkennen, ihnen zu begegnen und Lösungen zu finden. Ein Stuhl ist dann ergonomisch, wenn er den Bedürfnissen und Besonderheiten des Nutzers gerecht wird. Es gibt nicht den einen perfekten Bürostuhl, sondern viele für unterschiedliche Nutzergruppen entwickelte Modelle. Eine Vielzahl an Funktionen ist nicht immer ein Vorteil. Ein falsch eingestellter Bürostuhl kann sogar mehr Schaden verursachen, als ein standardisierter Stuhl mit wenigen Funktionen.
Dennoch gibt es einige Grundanforderungen, die ein Bürostuhl heute erfüllen sollte, um gesundheitliche Schäden zu verhindern. Ein ergonomischer Bürostuhl fördert gerades und dynamisches Sitzen. Der Wechsel der Sitzpositionen entlastet die Wirbelsäule, entspannt die Rückenmuskulatur und fördert den Stoffwechsel.
In den 1960er Jahren begann man erstmals, darüber nachzudenken, wie Zwangshaltungen beim Sitzen durch Technologien vermieden werden können. Ergebnis und heute Bestandteil eines guten Bürostuhls ist die Synchronmechnaik: Beim Zurücklehnen neigen sich sowohl Rückenlehne als auch Sitzfläche in einem definierten Winkelverhältnis nach hinten. Der Stuhl folgt den natürlichen Bewegungen des Körpers. Der Stuhl sollte zudem auf das Gewicht des Nutzers angepasst werden können, sodass das Zurücklehnen ohne großen Kraftaufwand möglich ist.
Ein guter Bürostuhl verfügt des Weiteren über eine Lumbalstütze. Die Rückenlehne ist im Lendenbereich vorgewölbt, um den Rücken vor allem beim geraden Sitzen zu unterstützen. Die Wölbung passt sich dabei der S-Form der Wirbelsäule an.
Auch die Höhenverstellbarkeit des Stuhls ist unabdingbar. Nur eine auf den Nutzer angepasste Höhe verhindert Blutstauungen in den Beinen und fördert entspanntes Arbeiten.
Bürostühle mit GS-Zeichen wurden auf Standsicherheit, Festigkeit und Haltbarkeit geprüft und erhalten ein entsprechendes Siegel. Das Zeichen „Ergonomie geprüft“ nach EN 1335 vom TÜV Rheinland ist ein zusätzlicher Zertifizierungsnachweis für Bürostühle, die an die Bedürfnisse am Arbeitsplatz angepasst – also ergonomisch – sind.
Besonderen Wert auf ergonomische Büröstühle legt der für seine Designklassiker bekannte Möbelhersteller Vitra. Neben einem ansprechenden Design sind für Vitra die Ergonomie, aber auch ökologische Aspekte bei der Gestaltung seiner Bürostühle wichtig. Als erster Bürodrehstuhl überhaupt wurde vor kurzem der Vitra MedaPal mit dem Öko-Label „Blauer Engel“ zertifiziert. Vitra hat sich der Gestaltung nachhaltiger und langlebiger Lösungen verschrieben. Kern dieses Engagements ist es, kurzlebige, modische Produkte zu verhindern. Ziel ist es, Produkte zu entwickeln, deren qualitative und ästhetische Lebenserwartung so hoch wie möglich ist. Vitra nennt das „Design-Horizont“.
Natürlich ist ein guter Bürostuhl allein kein Garant für die Körpergesundheit. Der Arbeitstisch, die Lichtverhältnisse und die Ausrichtung von Bildschirm und Tastatur sollten idealerweise ebenso ergonomischen Richtlinien entsprechen. Im Büro sollte außerdem auf einen regelmäßigen Wechsel zwischen Sitz- und Steharbeit geachtet werden. Dynamisches Arbeiten heißt im Idealfall 50% Sitzen, 25% Stehen, 25% Gehen. Und ein wenig Ausgleichsgymnastik zwischendurch (Dehnen, Kräftigen) fördert ebenso die gesunde Körperhaltung.
Individuelle Anpassung: mögliche verstellbare Funktionen eines ergonomischen Bürodrehstuhls
Ein ergonomischer Stuhl fördert den Wechsel der Sitzpositionen

Synchronmechanik: Bei Bewegung der Rückenlehne nach hinten senkt sich die Sitzfläche „synchron“ in einem festen Winkelverhältnis (1:1,5 – 1:3,5)
Kategorie: Allgemein