Gastbeitrag: Work-Life-Balance: Arbeit + Alltag = Leben?
Die Karriereanforderungen der modernen Arbeitswelt verlangen dem Einzelnen eine ungeheure Flexibilität ab. Dazu gehört beispielsweise die Bereitschaft, mit dem Arbeitsplatz auch den Wohnort zu wechseln oder unbezahlte Überstunden hinzunehmen. Die Einbußen im persönlichen Gestaltungsspielraum bei der Karriereplanung wirken sich auch auf die Freizeit, allen voran Familie und Freunde aus. Es ist nicht ungewöhnlich, behaupten Arbeitsforscher, dass Arbeitnehmer im Laufe ihres Lebens nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern den ausgeübten Beruf selbst, bis zu drei Mal komplett wechseln müssen.
Konkrete Handlungsanweisungen für eine ausgeglichene Work-Life-Balance des Einzelnen mögen unangebracht sein, dennoch sind mit Blick auf die heutige Arbeitswelt Entwicklungen absehbar, die uns vor allem aus den USA erreichen. Nach der Theorie des Work-Life-Balance gehören gesellschaftlicher Zusammenhalt und Wirtschaftswachstum zusammen, da es immer schwieriger wird, einzelne Handlungen einem der beiden Aspekte zuzuordnen.
Moderne Unternehmen kehren wieder zu einem Arbeitszeitmodell zurück, das so ähnlich bereits im mittelalterlichen Handwerksbetrieb angelegt ist. Denn in einer Zeit, in der das ganze Leben aus Arbeit bestand, gab es keinen Unterschied zwischen Wohnhaus und Arbeitsstätte – so wie heute der Unterschied zwischen Arbeit und Freizeit verschwindet.
Der Aufgabe einer Neugestaltung der modernen Arbeitswelt haben sich die Human Resources Abteilungen angenommen. Denn – auch wenn es zynisch scheint – ist der Mitarbeiter bzw. die aus ihm zu erwirtschaftende Produktivität aus Sicht des Unternehmens eine Ressource und muss wie alles andere auch „gemanaged“ werden. Geschäftsführungen, die den Zusammenhang zwischen Mitarbeiterproduktivität und Work-Life-Balance erkannt haben, werden ihre Personaler anweisen, mit Hilfe von Unternehmensprogrammen die Mitarbeitermotivation zu steigern. Dazu gehören auch Angebote zur Bindung von Mitarbeitern, die im Rahmen der unternehmerischen bzw. gesellschaftlichen Verantwortung (CSR) zum inneren Verantwortungsbereich jedes Unternehmens zählen. Vor allem Führungskräfte werden immer anspruchsvoller, wenn es um die Arbeitsbedingungen geht. Wenn es in der eigenen Firma nicht mehr ganz rund läuft, werden die wichtigen Manager oft schnell schwach, wenn ein Headhunter anruft oder sie ergreifen selber die Initiative und suchen sich neue Jobs auf einschlägigen Jobbörsen, wie z.B. Experteer.de.
Unternehmen, die den Anforderungen, die die Mitarbeiter – und damit die Gesellschaft überhaupt -rückbezüglich an sie stellen, gerecht werden, profitieren genauso davon wie ihre Angestellten, wenn sie die Unternehmenskultur positiv beeinflussen. Denn zufriedene Mitarbeiter kündigen seltener; die natürliche Fluktuation und der Krankenstand wird gering gehalten und das spart Personalkosten, Hinzukommt, dass die Aufgaben der Mitarbeitermotivation auch zum Management der Unternehmensreputation gehört und demzufolge ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Außenwirkung sind.
Ein ausgefeiltes Arbeitszeitmodell, bei dem der Faktor Vertrauen im Vordergrund steht, scheint aus Unternehmersicht eine sinnvolle Alternative zum klassischen Arbeitszeitmodell mit fixierten Anwesenheitszeiten zu sein. Spüren Angestellte, dass sie das Vertrauen ihres Vorgesetzten genießen und dürfen sie ihre Arbeitszeit frei einteilen, kommen ihnen Angebote wie Telearbeit, Kinderbetreuung, Sport- und Gesundheitsprogramme sowie weitere Incentives in ihrer Lebensplanung zugute.
Kategorie: Allgemein