Gründer aufgepasst! Unkonventionelle Tipps!
Seit einigen Jahren etabliert sich eine ganz neue Branche, die sich auf die Zielgruppe der Existenzgründer stürzt. Waren es früher in erster Linie die verschiedenen Ämter, wie Finanzamt, Gewerbeamt und Arbeitsamt, sind nun ganze Heerscharen mit den verschiedensten Berufen um die Gründer bemüht:
Berater und Coaches, Rechtsanwälte, Steuerberater, Business Plan Wettbewerbsveranstalter, Messeveranstalter, Seminaranbieter, Banken, Versicherungen bieten ihre Dienste an. Glaubt man ihren Prospekten und Beteuerungen geht es ihnen nur darum, dem Existenzgründer und Unternehmer in spe in jeder Beziehung zu helfen. Glaubt man ihnen nicht, geht es ihnen natürlich in erster Linie darum, Geld zu verdienen. Dagegen gäbe es nichts zu sagen, würde diese Absicht nicht unter dem Deckmantel der selbstlosen Nächstenliebe erfolgen.
Existenzgründer sind hier ein leichtes Opfer. Die allermeisten gründen das erste Mal und sind um jede Unterstützung dankbar, die ihnen dabei hilft, ihre Idee umzusetzen. Es scheint ja alles so kompliziert und so komplex zu sein! Um sich hier zurecht zu finden und nichts falsch zu machen, denkt sich so mancher, muss ich halt ein wenig Geld ausgeben. Und schnell summieren sich die ersten Ausgaben auf ein paar Hundert oder Tausend Euro. Nur ein Kunde ist deshalb noch längst nicht in Sicht, ein Auftrag noch nicht unterschrieben.
Deshalb hier einige Tipps, die Ihnen kaum ein Berater nennen wird – schließlich will er an Ihr Geld:
- Starten Sie so klein wie nur irgend möglich!
Sie müssen beim Start Ihres Unternehmens nicht gleich eine GmbH gründen. Dieses ist schnell teuer und selbst eine Mini-GmbH kostet gleich ein paar Hundert Euro. In vielen Fällen ist es mit ein wenig Kreativität durchaus möglich, dem Finanzamt eine freiberufliche Tätigkeit zu melden. Der Aufwand ist minimal, Ihre Einnahmen und Ausgaben können Sie ohne Steuerberater in die Elster-Formulare eintragen. Und wenn Sie etwas falsch machen, wird sich der Bearbeiter am Finanzamt schon melden. Am meisten und am schnellsten lernen Sie, wenn Sie selbst es machen und sich manchmal einfach ein wenig dumm stellen. Sie müssen ja nicht gleich eine offizielle Anfrage – die kostet – stellen. - Verzichten Sie auf Berater!
Beratern jeder Art müssen Sie Ihr Geschäft, Ihre Idee, Ihr Geschäftsmodell erstmal erklären. D.h. Sie bilden erstmal den Berater aus, damit Sie mit ihm überhaupt in der gleichen Sprache sprechen können. Das ist nicht nur zeitintensiv, kostet eine Menge, sondern ist in auch reine Wissensweitergabe. Wie stellen Sie sicher, dass er nicht mit diesem Wissen zu Ihrer Konkurrenz geht? Die großartigste Ausprägung dieser Wissensweitergabe erfolgt übrigens bei Businessplanwettbewerben: Ihre Idee mit Vor- und Nachteilen, mit Konkurrenzbetrachtung, Marktchancen, Kunden und v.a. mit sämtlichen Zahlen geben Sie hier aus der Hand! Kein Geschäftsbericht eines DAX-Konzerns gibt derartig umfassend Einsicht in ein Unternehmen, seine Strategie und seine Finanzen. Bei einem Existenzgründerberater zahlen Sie dafür auch noch Geld.
Was kann Ihnen ein Berater tatsächlich bieten? Die Gewähr, dass Ihre Geschäftsidee ein Erfolg wird und Sie damit Millionär werden? Die Gewähr, dass es Kunden gibt, die dieses Produkt oder diese Dienstleistung haben wollen und auch dafür bezahlen? Die Gewähr, dass der Markt nicht bereits besetzt ist und die Tausendste Dönerbude immer noch läuft? Hat er Ihr Herzblut und Ihre Ausdauer, das sogar aus der Tausendsten Wurstbude noch etwas Besonderes zaubert und bei Ihnen Warteschlangen verursacht, obwohl vor denen nebenan gähnende Leere herrscht? Was kann er, was Sie nicht durch Ihren Einsatz, Ihr Engagement, Ihre Sturheit, Ihre Kreativität, Ihre Anpassungsfähigkeit, Ihr Zuhören, Ihr Eingehen auf Ihre Kunden mindestens ebenso gut können? Ihr Geschäft ist Ihr Baby, für ihn ist es ein Auftrag unter vielen! - Suchen Sie sich notwendige Informationen im Internet und in Bibliotheken!
Nie zuvor war es einfacher, schnell an gute Informationen zu kommen. Nach wie vor sind die meisten Informationen im Internet kostenlos, viele rechtlich geprüfte Vorlagen und Musterschreiben für wenige Euros erhältlich. Und wenn es mal etwas spezieller sein soll: viele Buchhandlungen bieten Cafeecken, in denen Sie nach Herzenslust in den Büchern schmökern können, Bibliotheken bieten (fast) kostenlose Ausleihe oder Lesesäle. - Tauschen Sie sich mit anderen Gründern aus!
Andere Gründer haben Antworten auf Fragen bereits gefunden, die für Sie jetzt wichtig sind. Aber Sie wissen Antworten wiederum auf Fragen, die diese noch nicht kennen. Was liegt näher, als sich gegenseitig zu helfen? Das muss nicht einmal bei Gründertreffen passieren. Ein hervorragendes Mittel bieten Foren auf Gründerseiten. - Geben Sie kein Geld aus!
Informationen können Sie kostenlos erhalten (s.o.). Sie können aber auch dadurch sparen, dass Sie eben Ihr Geschäft erstmal in der berühmten “Garage” beginnen. Ein Schreibtisch mit einem Computer und einer Verbindung ins Internet kann heutzutage das Büro ersetzen. Kunden oder Geschäftspartner kann man in einem Cafe treffen. Es braucht also keinen eigenen Büroraum mit separater Büroausstattung. Denken Sie immer daran, wie Sie es vermeiden können, Geld auszugeben. Dieses muss schon mal nicht verdient werden. Statt teurer Geschäftsreisen lassen sich Telefon und e-mail gut einsetzen. - Seien Sie kreativ!
Ihre Kreativität ist nicht nur gefragt bei der Umsetzung Ihrer Geschäftsidee. Sie ist auch wichtig, um Ausgaben zu vermeiden, Kontakte zu knüpfen, Kunden zu gewinnen, Partner für sich zu fesseln und so weiter. - Setzen Sie nur Eigenkapital ein und nehmen Sie keinen Kredit auf!
Natürlich ist es toll, einen Kapitalgeber zu haben und gleich aus dem Vollen zu schöpfen. Damit können Sie große Marketingaktionen starten, sich ein repräsentatives Büro zulegen, Geschäftsreisen unternehmen. Aber: das Geld ist schnell ausgegeben, der Kapitalgeber (z.B. Venture Capitalist) will mitreden und verlangt Zinsen, Sie sind nicht mehr frei und unabhängig in der Umsetzung Ihrer Idee und Sie vergeben sich die Chance, etwas ganz Besonderes aufzubauen, da Sie sich auf herkömmliche Lösungen stützen. Kapitalintensive Werbung, wie sie alle machen, kostet natürlich auch weniger Gehirnschmalz als Guerillamarketing, das nur wenig Geld braucht. Und vergessen Sie nicht: Geld aufnehmen ist teuer. Die Zinsen müssen bezahlt werden und dieses Geld steht nicht zur Verfügung, um Ihr Produkt zu verbessern oder einen Kunden zu gewinnen. - Hören Sie auf Ihren Bauch und treffen Sie selbst Ihre Entscheidungen!
Natürlich wollen Gründer Geld verdienen mit Ihrer Idee. Im Gegensatz zu all den Beratern, steht aber nicht die Maximierung im Vordergrund. Häufig ist es auch die Begeisterung für eine Idee und die Freude daran, eine Idee eigenständig umzusetzen. Wie ein Kind ist diese Idee erst gut zu pflegen bis es dann – hoffentlich – Ertrag abwirft.
Dazu wünsche ich Ihnen viel Erfolg, auch ohne Berater und ohne großen Geldtopf!
Kategorie: Existenzgründer und Selbständige
Ich bin nicht ganz sicher, ob es wirklich machbar ist kein Geld auszugeben. Aber ich werde es (wenn es bei mir soweit ist mit der Selbständigkeit) versuchen. Dieser Artikel macht mir irgendwie Hoffnung,
Ich finde dieser Artikel ist wirklich sehr gut geschrieben, und macht Mut zur eigenen Unternehmensgründung. Allerdings gibt es ein paar Dinge, die ich fragwürdig finde.
Kein Geld ausgeben? Und wie bitteschön werde ich dann bekannt(Marketing), bringe die Ware an den Mann(Distribution) und entwickle ein Produkt, dass besser ist als das der Konkurrenz?(Produktion)
Ich glaube ohne Geld auszugeben ist noch niemand reich geworden, und einen Kredit aufzunehmen kann auch absolut richtig sein. Ich denke der Hinweis auf generelle Vorsicht bei der Kreditaufnahme und bei der Wahl der Anfangsinvestition sind viel eher angebracht.
Ich habe sehr viel kostenlose Unterstützung durch das Hochschulgründernetzwerk Köln und den NUK Köln erhalten. Dort wurden sogar kostenlose Beratungstermine durch Anwälte angeboten.
Ich muß leider auch sagen das der Artikel ein Hauch laienhaft klingt:-). Ich verstehe durchaus den Sinn und klar gibt es ein Haufen Abzocker. Aber es hängt doch sehr von der Unternehmensgröße und vom Kapitalbedarf und und und ab, ob man ohne Berater auskommt. Es gibt auch sehr viele Förderungsmöglichkeiten für Existenzgründer!