Kopfgeld für Mitarbeiter
So weit sind wir mittlerweile also schon mit dem Fachkräftemangel in Deutschland: Neue Mitarbeiter werden über vorhandene Mitarbeiter gesucht und empfohlen. Bei glücklichem “Fang” wird eine “Kopfgeld-”Prämie bezahlt, die durchaus mal € 3.000 betragen kann.
Die Anwerbungsmethoden der Beraterfirmen mit mehrtägigen Events, wie Segeltörn, Party, Businessessen waren mir durch Bekannte und durch den realistischen Bericht von Julia Friedrichs bereits bekannt. Aber dass Firmen nun bereit sind, hohe Prämien zu bezahlen, wenn eine neue Kraft angeworben wird, wie Focus in Mitarbeiterwerbung: Recruiting am Strand - Kopfgeld berichtet? Und das von Firmen, die in jüngster Zeit zu den Arbeitgebern zählten, die durch Vertragsauflösungs-, Abfindungs- und Altersteilzeitprogramme darum bemüht waren, sich ihrer erfahrenen Kräfte zu entledigen? Wie passt das alles zusammen?
Es passt zusammen, aus den folgenden Gründen:
- Kurzlebigkeit ersetzt langfristiges Denken
Noch vor gar nicht so langer Zeit war man auch in schlechten Zeiten - wenn der Umsatz nachliess - darum bemüht, die Mitarbeiter zu halten. Man sparte an allem, aber die Ausstellung von Knowhow-Trägern wurde vermieden solange irgendwie möglich. Heute werden Mitarbeiterabbauprogramme aufgelegt, die nur darauf abzielen, möglichst viele Mitarbeiter los zu werden. Welche Ausbildung, welche Position, welches Knowhow, welche Familiensituation ist bestenfalls zweitrangig. Die Mitarbeiter lockt man mit hohen Abfindungsbeträgen, dieses Angebot anzunehmen. - Weiterbildung
Weiterbildungsmaßnahmen gehörten zu den selbstverständlichen Aktivitäten jeder größeren Firma. Heute wird das lebenslange Lernen zwar laut propagiert, aber die Mitarbeiter müssen sich zunehmend selbst darum kümmern, auf dem neuesten Stand der Technik und der Methoden zu bleiben. - Fluktuation
So allmählich erreicht die “Hire-und-Fire-Mentalität” der Amerikaner auch Deutschland. In den obersten Führungskräften ist ein Wechsel im 2-3 Jahresrhythmus mittlerweile normal. Manager, die über Jahrzehnte ein Unternehmen leiten, gehören zunehmend der Vergangenheit an. Dass langfristige Ausrichtung und strategisches Handeln durch kurzfristige Maßnahmen, die die Unternehmenszahlen schönen, ersetzt werden, versteht sich unter diesem Gesichtspunkt von selbst. - Kaufleute und Juristen statt Techniker
Während in den “goldenen Zeiten” die Konzernspitze vor allem durch Techniker und Naturwissenschaftler besetzt war, wird diese heute zunehmend durch Betriebswirte und Juristen gestellt. Damit bestimmen automatisch die Zahlen das unternehmerische Handeln und weniger die Innovation. In mancher Firma gibt es bereits keinen ausgewiesenen Betrag für Forschung und Entwicklung mehr.
Wer von den Siemens-, Halske-, Bosch-, Dorniergründern und den vielen anderen Pionieren nach dem 2. Weltkrieg hätte eine derartige Entwicklung je für möglich gehalten? Kopfprämie, wenn ein Mitarbeiter kommt. Kopfprämie, wenn ein Mitarbeiter geht.
Kategorie: Arbeitnehmer, Wirtschaft