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Donnerstag, 30. August 2007

Home Office

In der Zeitschrift “heute” in der Schweiz ist ein Artikel zu lesen, der aufgrund eines Interviews mit dem Berater und Herausgeber des bekannten JobBlog Marcel Widmer, entstanden ist. Dieser Beitrag Home Office: Grosse Freiheit oder Karrierefalle? ist natürlich auch auf seiner Website gebloggt. Thema ist, wie man zuhause sinnvoll arbeitet. Zu jenen Ratschlägen hier nun meine durchaus abweichenden Standpunkte:

  • “Beginne deinen Arbeitstag mit einer Aufgabe, die Spass macht.”
    Genausogut raten andere aus Gründen des Zeitmanagements und der Effektivität dazu, mit Aufgaben zu beginnen, die man als unangenehm empfindet und daher am liebsten ständig vor sich herschiebt. Danach läßt sich entspannter arbeiten, weil man sich jetzt den Tätigkeiten zuwendenen kann, die mehr Spass machen und angenehmer sind.
  • “Halte dich an einen geregelten Tagesablauf. Gestalte ihn so, als hättest du einen normalen Job in einem Unternehmen.”
    Als Selbständige genieße ich es, mich nicht unbedingt an einen geregelten Tagesablauf zu halten. Sonst hätte ich bei dem “normalen Job in einem Unternehmen” bleiben können. So plane ich meinen Tag meist erst am frühen Morgen und nicht bereits am Abend zuvor oder gar am Wochenanfang die Woche. Ich möchte flexibel sein, meine Prioritäten immer wieder verändern können.
  • “Beseitige alles, was dich ablenken könnte. Sorge dafür, dass auf deinem Pult nur das liegt, was du für die aktuelle Aufgabe benötigst.”
    Das gilt im Regelfall für alle Aufgaben, ob in einem Unternehmensbüro oder im Home Office. Aber manchmal ist auch das kreative Chaos notwendig oder eine ganz andere Umgebung, um ein Problem lösen zu können oder eine Idee zu kreieren. Das hat nicht unbedingt etwas mit einem aufgeräumten Arbeitsplatz zu tun, sondern eher damit, sich nicht ablenken zu lassen.
  • “Setze dir Termine und halte dich daran. Plane deine Woche und setze dir Wochenziele.”
    Das hängt sicherlich von dem jeweiligen Job und der jeweiligen Aufgabe ab. Bei einem Home Office sollten meiner Meinung nach an allererster Stelle die generellen Ziele stehen. Am besten sogar eine Vision und eine Mission. Und daraus leiten sich dann Ziele ab, die auch als Jahresziele definiert sein können.
  • “Pflege dein Netzwerk, triff Leute zum Lunch – Hauptsache, du gehst regelmässig raus.”
    Warum? Natürlich ist in den meisten Berufen ein Netzwerk wichtig, aber das muss nicht unbedingt durch Businessmeetings beim Lunch gepflegt werden. In Zeiten von Handy, E-Mail, Internet können diese Mittel effektiver sein. Die gesetzten Ziele helfen hierbei die entsprechend sinnvollen Maßnahmen abzuleiten.
  • “Zieh dich so an, als würdest du ins Büro gehen. Im Pyjama wirst du kaum erfolgreich geschäftliche Dinge erledigen können!”
    Auch hier wieder die Frage nach dem “Warum”. Bei grosser Hitze lassen sich für mich geschäftliche Dinge an PC und Telefon durchaus erfolgreicher im Bikini erledigen als in einem Kostüm und Strümpfen, in denen ich mich unwohl fühle.
  • “Halte dich an fixe Zeiten – auch beim Feierabend!”
    Fixe Zeiten lassen sich meiner Ansicht nach schlecht mit Flexibilität vereinbaren und erst recht nicht mit großer Freiheit. Wenn ich Ziele verfolge, die mir so wichtig sind, dass ich dafür auch am Wochenende und spätnachts arbeite, warum nicht?

Wie man zuhause arbeitet, hängt sicherlich stark davon ab, inwieweit man tatsächlich selbständig ist oder ob man doch eher eingebunden ist in eine Angestelltensitutation. Generell glaube ich, dass ein Home Office nicht jedermanns Sache ist. Wer aber an beruflichen Zielen arbeitet, von denen er überzeugt ist und die er unbedingt erreichen will, wird auch die Disziplin aufbringen, um produktiv arbeiten zu können. Wie er diese Disziplin tatsächlich lebt, wird individuell sehr unterschiedlich sein. Der eine wird die Kernaussagen von Marcel Widmer als hilfreich empfinden, wieder andere, so wie ich, als Einschränkung in ihrer Gestaltungsfreiheit.

Weitere Informationen zum Telearbeitsplatz im ArbeitsRatgeber

Kategorie: Existenzgründer und Selbständige, Arbeitnehmer

2 Kommentarezu ' Home Office'

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  1. Marcel Widmer kommentierte am 30.08.2007 um 18:15 Uhr

    Über die eigene Arbeitsorganisation in der Selbstständigkeit ist ja wie im “richtigen Leben” - es gibt nicht nur eine Lösung ;-)

    Und deshalb sind die “Ja, aber …” auch nicht als Rechthaberei, sondern als weitere Denkanstösse zu verstehen:

    Als Selbständige genieße ich es, mich nicht unbedingt an einen geregelten Tagesablauf zu halten. Sonst hätte ich bei dem “normalen Job in einem Unternehmen” bleiben können.

    Ob die Freiheit, den Tagesablauf “ad hoc” festzulegen, als einzige oder wichtigste Motivation zur Selbstständigkeit durchgehen wird? Andere Motive könnten sein: Freiheit in der Festlegung des Leistungsangebots, Eigenverantwortung, kürzeste Entscheidungswege, Ausleben des Unternehmener-Triebs …

    Natürlich ist in den meisten Berufen ein Netzwerk wichtig, aber das muss nicht unbedingt durch Businessmeetings beim Lunch gepflegt werden.

    Business Lunch muss ja nicht Business Meeting heissen. Ein Lunch z.B. mit einem Freund, der auch selbstständig ist, kann sehr bereichernd sein: “Sag mal, wie machst Du das eigentlich, dass Du Deine Ideen auf die Reihe bekommst und in Lösungen umsetzen kannst?”

    […] durchaus erfolgreicher im Bikini erledigen als in einem Kostüm und Strümpfen, in denen ich mich unwohl fühle.

    Die Welt ist ja nicht schwarz/weiss - zwischen Bikini und Kostüm/Strümpfen gibt’s zum Glück ganz viele Alternativen ;-)

    Wenn ich Ziele verfolge, die mir so wichtig sind, dass ich dafür auch am Wochenende und spätnachts arbeite, warum nicht?

    Genauso funktioniere ich auch. Deshalb helfen mir (nur mir?) fixe Zeiten (im Sinne von Richtwerten), auch einmal Schluss zu machen. Es ist nun wirklich bekannt, dass nach einem 12-Stunden-Tag oder nach 10 Tagen “durcharbeiten” nicht mehr viel Sinnvolles rauskommt.

    Der eine wird die Kernaussagen von Marcel Widmer als hilfreich empfinden, wieder andere, so wie ich, als Einschränkung in ihrer Gestaltungsfreiheit.

    Strukturen sind ja nicht ausschliesslich Einschränkung. Sondern auch Entlastung! Meine “Alltag” selbst bestimmen zu können, ist eine herrliche Freiheit. Sie kann aber auch zur Belastung werden …

    (P.S. Schade kann man hier, die Kommentare nicht per E-Mai-Benachrichtigung verfolgen!)

  2. angela kommentierte am 01.09.2007 um 16:33 Uhr

    Vielen Dank für Ihren Kommentar, Herr Widmer.

    Ich denke, wir sind gar nicht soweit voneinander entfernt. Ihre neuen Aussagen kann ich nahezu unterschreiben.

    Mir war es einfach wichtig, festzustellen, dass die Selbständigkeit mit einem Home Office viele Möglichkeiten des Arbeits- und Lebensstils ermöglicht. Längst ist man nicht an so viele Regeln und Konventionen (Kleidung, Tagesablauf, Gesprächspartner) gebunden, wie als Angestellter. Das bedeutet für mich “die große Freiheit”. Das “Sich-Nicht-Halten an Regeln” bedeutet hierbei nicht unbedingt eine Karrierefalle, sondern wird durchaus als Markenzeichen akzeptiert.

    (P.S. An der E-Mail-Benachrichtigung arbeite ich noch. Leider funktioniert das Plugin bei mir nicht einwandfrei)

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