Was bringt ein MBA-Studium? Persönlicher Erfahrungsbericht
Nach 16 Jahren Berufsleben beschloss ich, nochmals die Schulbank zu drücken und meine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse durch ein Executive MBA-Studium in Business Engineering aufzufrischen. In Business Engineering deshalb, weil mich das Design von Prozessen und vor allem von Veränderungsprozessen die letzten Jahre stark beschäftigt hat. Seinerzeit gab es diesen Studiengang nur an der Universität St. Gallen. Was mir tatsächlich dieses Studium gebracht hat?
- In aller erster Linie hat es mir Selbstbewußtsein gegeben. Selbstbewußtsein hinsichtlich der eigenen Kompetenzen und im Vergleich zu anderen Mitstreitern, die auf der Karriereleiter bereits ziemlich weit gekommen waren oder eine bessere Ausbildung haben oder jünger sind oder ….
- Durch das Studium habe ich mir einen anderen Blick auf bestimmte Sachverhalte angeeignet. In der Diplomarbeit beschäftigte ich mich insbesondere mit dem Konstruktivismus. Dies hat meine Einstellung und mein Denken nachhaltig beeinflusst.
- Die Gruppenarbeiten und Case Studies erforderten es, sich permanent mit neuen Gruppenkonstellationen auseinanderzusetzen und mit der Gruppe Ergebnisse zu erzielen. Ohne es “gelehrt” zu bekommen, eignete man sich ganz nebenbei Soft Skills an. Und es fand sich genügend (Spiel-)raum, um Methoden auszuprobieren, wie man andere führt (nicht nur Kommilitonen, sondern auch Professoren und die Veranstalter), wie man motiviert und kommuniziert, wie man mit Konflikten umgeht u.ä.
- Der 4-wöchige Aufenthalt in den USA ließ mich eine mir fremde Welt entdecken. Der “Geist” des Silicon Valley, seine Kommunikationsformen, seine Aufbruchstimmung, sein unternehmerisches Denken wurden anfassbar und verständlich.
- Das Netzwerken aufgrund des gemeinsamen Studiums mag sich marketingmäßig gut darstellen. Natürlich kann man sich dem Alumniclub der Uni St. Gallen anschließen. Allerdings musste ich die Erfahrung machen, dass unser Studiengang kaum Interesse daran hat(te), sich regelmäßig zu treffen. Der Alltag zeigte sehr rasch, dass sich sogar gemeinsame Geschäftsideen über Entfernungen hinweg doch nicht umsetzen lassen. Insofern wird nach meiner Auffassung der Aspekt, durch ein MBA-Studium internationale und vielfältige Kontakte aufzubauen, stark übertrieben.
- Und nicht zuletzt: der MBA ist vor allem ein gutes Geschäft für die anbietenden Universitäten und Business Schools. In der Regel vermitteln hier an der Universität unterrichtende Professoren in komprimierter Form den Stoff, den sie üblicherweise ihren Studenten unterrichten.
Fazit: Ob der MBA-Titel tatsächlich die Kosten von mehreren Zehntausend Euro wert ist, wage ich hinsichtlich des erworbenen Fach- und Methodenwissens zu bezweifeln. Andererseits kosten viele anspruchsvolle Seminare, Workshops und Kongresse ebenfalls stolze Summen. Für mich waren die 1 1/2 Jahre aber ein bedeutender Entwicklungsschritt hinsichtlich meiner Persönlichkeit. Meine Ziele, Wertvorstellungen erfuhren neue Ausrichtungen und wichtige Weichenstellungen für meine Zukunft wurden gestellt. Meine Lebensphilosophie konkretisierte sich und letztendlich gab mir dieses Studium den entscheidenden Impuls, mich selbständig zu machen.
Weitere Informationen im ArbeitsRatgeber
Kategorie: Existenzgründer und Selbständige
Vielen Dank für deine persönliche Schilderung zum MBA. Ich habe mir lange überlegt, ob ich einen MBA beginnen soll und denke nach wie vor darüber nach. Die Entscheidung ist wirklich nicht ganz einfach und die Verprechungen der Uni’s stimmen oftmals nach meinen Erfahrungen nicht ganz mit den perönlichen Berichten überein. In jedem Falle scheint das MBA Studium einen Schnitt im Berufsleben nach sich zu ziehen und ich glaube, ich werde diesen auch irgendwann wagen
[…] Wiki-Artikel, spezielle Infos aus dem Handelsblatt MBA-Special sowie zur Abrundung noch ein etwas kritischerer Blog Beitrag sowie ein Spiegel Artikel ?ber die daraus ergebenden M?glichkeiten. Viel Spa? beim lesen […]
Es ist in der Tat fraglich, ob sich die Investition lohnt. Allerdings geht es, wie Du ja auch erfahren hast, nicht nur um den ledlichen Titel, sondern vielmehr darum neben der Wissenserweiterung den eigenen Horizont zu erweitern. Und genau diese Erweiterungen verschaffen einem auf dem Arbeitsmarkt und im Arbeitsleben eben die Vorteile, die den Unterschied zwischen Erolg und Misserfolg ausmachen.
ein wichtiger Punkt, der in der Aufzählung fehlt sind die Kontakte, die man während des Studiums auch in Form der Komilitonen gewinnt… Diese sind oft lange später noch sehr wertvoll im Berufsleben.
Also ein MBA wird sich immer mehr lohnen - auch bei den hiesigen Personalchecfs wird sich Bologna irgendwann in den Köpfen durchgesetzt haben…
Die Frage ist nur, welche Form und welchen Anbieter eines MBA man wählen sollte. Die Preisunterschiede sind meiner Ansicht nach sehr groß und die Gewichtung zwischen Renommé, Akkreditierung und wirklichem Preis-Leistungsverhältnis nicht so einfach zu erkennen.