Manager versus Unternehmer
In den Medien stehen Manager täglich in der Berichterstattung. Wer erhält welches Einkommen, wem wird gekündigt, wer fädelt einen Zusammenschluss mit anderen Unternehmen ein usw. Seltener dagegen erfährt man, außer in der regionalen Presse, von Unternehmern. Und trotzdem werden Manager und Unternehmer in der öffentlichen Wahrnehmung immer wieder in den gleichen Topf geworfen. Was unterscheidet aber Manager und Unternehmer voneinander?
- Eigentumsverhältnisse
Der Unternehmer ist mit seinem eigenen Kapital zu einem großen Anteil an der Firma beteiligt. Dem Manager gehören bestenfalls einige Aktien, er ist aber niemals Hauptaktionär. - Einkommen
Zum mindesten die Gehälter der DAX-Vorstände sind bekannt. Viele Unternehmer beziehen dagegen kein Gehalt, sondern sind seitens ihres Einkommens komplett vom Gewinn abhängig. Das gilt ganz besonders für Freiberufler, Gewerbetreibende und mittelständische Unternehmer. Wird kein Gewinn erwirtschaftet, verdienen sie auch nichts. Ganz anders dagegen bei Managern, die ein Fixgehalt beziehen und variable Einkommensbestandteile erhalten, die vom Erfolg des Unternehmens abhängen. Die Einkommenshöhe und die Erfolgskriterien werden zwischen den Aufsichtsräten, häufig ehemalige Vorstandsmitglieder, und dem Vorstand festgelegt. Der Vorwurf einer Selbstbedienungsmentalität steht hierbei im Raum. - Verantwortungsgefühl
Der Unternehmer ist häufig der Unternehmensgründer oder der Nachfolger. Die Firma sieht er als “sein Baby”, als “sein Kind”. Dementsprechend geht er damit auch durch alle Höhen und Tiefen. Die Mitarbeiter gehören zur “Familie” mit entsprechender emotionaler Bindung. Gerade in kleinen und mittleren Unternehmen kennt jeder jeden. Man empfindet mit dem Anderen mit. Entlassungen in derartigen Konstellationen werden vom Unternehmer häufig als persönliches Versagen empfunden. Der Manager dagegen zählt Entlassungen zu seinen normalen Aufgaben. - Entscheidungsfähigkeit
Ein Unternehmer, zumal als alleiniger Firmeninhaber, kann Entscheidungen autark treffen. Ein Manager hingegen ist von anderen Vorstandsmitgliedern, von Aufsichtsräten und Aktionären abhängig. Deshalb müssen diese Entscheidungen Kompromisse sein oder durch Seilschaften zustande kommen. Die Form der AG verlangt zudem eine ganz andere Art der “öffentlichen” Unternehmensdarstellung als bei einem Einzelunternehmer. Aufgrund der Veröffentlichungsvorschriften stehen die Manager unter einem ganz anderen Druck, permanent gute Zahlen aufweisen zu müssen als ein Unternehmer, der lediglich dem Finanzamt seine Unternehmenszahlen darlegen muss. - Motivation
Für Unternehmer als auch für den Manager gilt sicherlich das Einkommen als Motivationsfaktor. Allerdings unterscheiden sich meiner Ansicht nach die Wertigkeit und weitere Faktoren. Beim Unternehmer stehen auch Beweggründe wie “ich will zeigen, dass sich mit dieser Idee auch Geld verdienen läßt” und Begeisterung am Produkt im Vordergrund. Beim Manager dagegen zählen Macht und Image dazu. Dementsprechend tritt so mancher Manager einem Showstar ähnlich in der Öffentlichkeit auf. Hinter einem Manager und Unternehmer stehen unterschiedliche Persönlichkeiten. - Stellung im Unternehmen
Auch ein Vorstand ist Angestellter in einem Unternehmen mit Arbeitsvertrag und Kündigungsmöglichkeit. Für einen Unternehmer gilt dies nicht. Er ist absolut oberste Instanz. Geht er, erfolgt das durch Insolvenz, Verkauf oder Nachfolgeregelung. Insoweit ist seine Person direkt mit dem Unternehmen verbunden. Bei einem Vorstand sind Kündigungen, wie sich in letzter Zeit gezeigt hat, fast so häufig wie der Austausch von Fußballtrainern. Bleibt der Erfolg aus oder braucht man einen Schuldigen, wird ihm gekündigt. - Haftung
Der Unternehmer haftet grundsätzlich selbst, teilweise sogar mit seinem Privatvermögen. Die Banken halten sich an ihn. Gehen Geschäfte daneben, trifft es ihn in der Regel persönlich. Auch hier anders bei Managern. Ich glaube nicht, dass ein Jürgen Schrempp als Unternehmer den Chrysler-Deal getätigt hätte. Milliarden sind dabei vernichtet worden, während sich sein Gehalt vermutlich noch verbesserte. Dagegen sind gerade Familienunternehmen besonders interessiert, ihr Vermögen zusammen zu halten und zu mehren - Ausgaben
Ein Unternehmer hat ein anderes Verhältnis zu Kosten. Er spürt direkt, dass sie seinen Gewinn schmälern. Geht der Umsatz zurück, wird er sofort versuchen, seine variablen Kosten zu reduzieren. Die Kosten für Geschäftsreisen und Veranstaltungen jeglicher Art kommen sofort auf den Prüfstein. Für einen Manager dagegen sind Ausgaben vor allem Buchungssätze. Seinen Lebensstil aufgrund eines Umsatzeinbruches wird er erstmal nicht ändern. - Abfindung/Rente
Wird Managern gekündigt, erhalten Sie üblicherweise eine Abfindung in Höhe mehrerer Jahresgehälter, d.h. mehrere Millionen Euro. Das Gleiche gilt für die Rente. Und - wie das jüngste Beispiel Klaus Kleinfeld zeigt, erhalten Sie noch zusätzlich Antritts- und Umzugsprämien. Dagegen ist so mancher Unternehmer froh, wenn er während seiner Selbständigkeit genügend für seine Rente zurücklegen kann. - Zugehörigkeitsdauer
Viele Manager gehören einem Unternehmen nur noch einige wenige Jahre an. Die Bindung ans Unternehmen ist daher eine ganz andere als die bei einem Unternehmer, der in seiner Firma häufig sein gesamtes oder einen großen Teil seines Arbeitslebens verbringt. Dementsprechend sind bei einem Manager die Ziele eher kurzfristig, bestenfalls mittelfristig angelegt, bei einem Unternehmer dagegen langfristig. Der Manager ist in erster Linie auf seine persönliche Nutzenoptimierung focussiert, der Unternehmer auf die des Unternehmens.
Fazit: Die Unterschiede zwischen Managern und Unternehmern sind gewaltig. Viele der obigen Erkenntnisse sind aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen zustande gekommen und nicht das Ergebnis fundierter Studien. Für mich persönlich ergibt sich daraus der Schluß: Will ich mein Gehalt optimieren, sollte ich Manager werden. Will ich unabhängig und selbstverantwortlich agieren, muss ich Unternehmer werden.
Kategorie: Existenzgründer und Selbständige, Wirtschaft