Montag, 20. August 2007
Tipps zum Businessplan-Wettbewerb
Ich habe bereits mit mehreren Geschäftsideen an Businessplan-Wettbewerben teilgenommen und bin seit einigen Jahren Beobachterin dieser Veranstaltungen. Anbei einige Erkenntnisse dazu.
Ein Businessplanwettbewerb macht Sinn:
- Wenn Ihre Idee nicht mehr nur eine Idee ist, sondern bereits erste Formen angenommen hat. D.h. Ihr Produkt sollte bereits existieren, z.B. als Prototyp oder wenigstens als Patent. Je konkreter, umso besser.
- Wenn der Businessplanwettbewerb zu Ihrem Produkt passt. Beispielsweise wendet sich Effekt! in erster Linie an Frauen, die sich nach ihrer Elternzeit selbständig machen wollen, also Familie haben. Frauen ohne Kinder sind hier zwar willkommen, werden aber nicht zu den Preisträgern gehören, da sie nicht in die Zielgruppe passen. Der MBPW hingegen ist eine Initiative von Hochschulen, Wirtschaft und Forschungseinrichtungen. Produkte, die aus der Forschung kommen, und sogar patentiert sind, haben hier eindeutig bessere Chancen als Dienstleistungsideen. Außerdem macht es natürlich keinen Sinn, bei regionalen Wettbewerben mitzumachen, wenn man gar nicht aus der Gegend kommt. Schauen Sie sich unbedingt die prämiierten Teilnehmer und Ideen der vorangegangenen Wettbewerbe an. Passen Sie in dieses Schema? Die Berater und Begutachter kommen nämlich aus dem gleichen Umfeld.
- Wenn das Produkt keine absolute Neuerfindung ist, sondern bereits Vorläufer oder gar ein Vorbild im Ausland hat. Es geht in all diesen Wettbewerben weniger um die Idee an sich als darum, wie wirtschaftlich sie ist und wie gut sie vermarktet werden kann. Die Begutachter sind auch nur Menschen, die eben durchaus ein Problem damit haben, zu erkennen, warum eine Wegwerfkamera Absatzpotential haben kann, wenn es jede Menge Kameras gibt. Für wirklich “g’spinnerte” Ideen sollten Sie besser in die USA gehen.
- Wenn Sie üben wollen, wie man einen professionellen Businessplan schreibt. Oder auch mit Gleichgesinnten sich austauschen wollen. Beides waren offensichtlich die Beweggründe von Menlo Systems, wie ihr Erfahrungsbericht zur Teilnahme am MBPW zeigt.
- Wenn Sie bereits Absatzerfolge erzielen, also erste Umsätze machen. Sie können dadurch nachweisen, dass Nachfrage besteht, Sie Kunden gewinnen und Sie erste Zahlen haben, auf deren Basis Sie rechnen. Dadurch werden Sie glaubwürdiger. Viele der Gutachter sind außerdem in ihrem normalen Beruf Berater oder Kaufleute und weniger Unternehmensgründer mit revolutionären Ideen.
- Wenn Sie richtig viel Kapital benötigen. Ist es möglich Ihre Idee mit relativ wenig Geld zu realisieren, sollten Sie damit beginnen. Übrigens macht es sehr kreativ, wenn man kein Geld hat. Es ist erstaunlich, welche Wege sich finden lassen, trotzdem eine Idee zu realisieren.
- Wenn Sie Kontakte in die Großindustrie benötigen, die Sie selbst nicht aufbauen können. Prüfen Sie vorher, ob bei dem Businessplan Wettbewerb, bei dem Sie teilnehmen wollen, die Firmen vertreten sind, die Sie im Focus haben oder wenigstens Beziehungen aufbaubar sind über Berater aus dieser Branche.
Ein Business Plan Wettbewerb macht keinen Sinn:
- Wenn es eine ganz alltägliche Idee ist, wie z.B. ein Friseurgeschäft, ein Cafe, die Eröffnung einer Arztpraxis, ein Kindergarten, ein Beratungs- oder ein Reisebüro.
- Wenn Sie das benötigte Kapital selbst auftreiben können und in der Branche zuhause sind.
- Wenn Sie nicht an das große Wachstum (auch international) denken, sondern lieber als Kleinunternehmer mit einigen Mitarbeitern tätig sein wollen. Sie streben daher auch nicht die Rechtsform der Aktiengesellschaft an. Investoren sind an exorbitantem Wachstum interessiert. Schließlich wollen Sie Kapital möglichst gut verzinst sehen aufgrund des hohen Risikos.
- Wenn Sie lieber den Zeitaufwand für das Schreiben des umfangreichen Businessplans in die Umsetzung Ihrer Idee einsetzen wollen.
Tipps:
- Überlegen Sie sich, ob die Teilnahme an einem Businessplan-Wettbewerb für Sie sinnvoll ist und was Sie sich davon versprechen (Aufwand-Nutzen-Überlegung).
- Die Wettbewerbe sind nicht ausschließlich auf Ihren Nutzen gerichtet, sondern verfolgen ein hohes Eigeninteresse: An diesen Wettbewerben hängen bezahlte Arbeitsplätze, die ehrenamtlich tätigen Gutachter und Berater versprechen sich zukünftige Klienten und das Finden “der” Geschäftsidee, bei der sie einsteigen können.
- Bedenken Sie vor allem, was für einen Nutzen Sie aus dem Wettbewerb ziehen, wenn Sie nicht zu den Gewinnern zählen.
Weitere Informationen zum Thema finden Sie im ArbeitsRatgeber
Kategorie: Existenzgründer und Selbständige
Gebloggt von Angela ·
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