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Dienstag, 14. August 2007

Gestresst? Selbst schuld!

Als ich noch Angestellte in einem Großunternehmen war, habe ich mich oft gewundert: Die Kollegen hetzen von Besprechung zu Meeting, Konferenz und Workshop. Für Mittagessen haben nur die wenigsten Zeit, abends um 17.00 Uhr war ich meist die Erste, die das Büro verließ. Und zum Wochenende nahmen sie Unterlagen aus dem Büro mit nach Hause. Was hatten die Anderen immer so viel zu tun?

Mein Aufgabenspektrum unterschied sich eigentlich nicht von dem der Kollegen. Mein Kunde war nicht weniger unkompliziert als andere Kunden, Nebenjobs in Form von kleineren Projekten hatte ich auch, meine vorgegebenen Ziele wurden normalerweise erreicht. Aber - irgendwie hatte ich im Regelfall am Abend und am Wochenende immer noch Zeit, meinem Sport und anderen Aktivitäten nachzugehen. Wie ist das zu erklären?

  • Besprechungen: 
    Viele Besprechungen dauerten über 3-4 Stunden und brachten doch kein greifbares Ergebnis  Warum? Niemand war sorgfältig vorbereitet und man tauschte sich nur darüber aus, warum keiner vorbereitet war. Irgendwann hatte ich den Dreh raus und mied die meisten dieser Besprechungen. Wenn ich etwas beitragen sollte, lieferte ich es schriftlich ab - so konnten auch keine Mißverständnisse auftreten. Oder ich bestand auf schriftlichen Einladungen mit Tagesordnung. Nur wenn etwas tatsächlich abzustimmen und  zu entscheiden war, nahm ich den Termin wahr.
  • Terminvereinbarungen
    Bei Terminüberschneidungen machte ich es mir zur Gewohnheit, niemals einen der Termine sofort neu zu vereinbaren. Denn ich machte die Erfahrung, dass sogar bei 3 Terminen zum gleichen Zeitpunkt mindestens einer abgesagt oder verschoben wird und einer hinfällig wird. In nur 10 Prozent aller Fälle musste ich tatsächlich um Terminänderung bitten.
  • Telefon und E-Mail 
    Um wirklich konzentriert arbeiten zu können, zog ich mich in ein Besprechungszimmer zurück oder in mein Arbeitszimmer zuhause. Um nicht gestört zu werden, verschloss ich manchmal sogar den Raum. Alle Telefone wurden ausgeschaltet und liefen auf Anrufbeantworterfunktion, die E-Mail-Benachrichtigungsfunktion wurde deaktiviert. Auf dem Arbeitstisch fanden nur die benötigten Unterlagen Platz. Derartig abgeschirmt konnte ich konzentriert arbeiten und war im Nu mit meinen Aufgaben durch.
  • Pausen
    Nachdem auch die Wissenschaft nachgewiesen hat, dass man nicht rund um die Uhr hochkonzentriert arbeiten kann, sind mir Pausen extrem wichtig. Dazu gehören eine längere Mittagspause, meist ein kurzer Mittagsschlaf (möglich, seitdem ich selbständig bin) und Sport am Spätnachmittag/Abend. Auch am Wochenende sind andere Aktivitäten angesagt, die nichts mit der Arbeit zu tun haben. Dadurch gibt es jede Menge Zeit, auf neue Gedanken zu kommen und neue Ideen zu generieren. Manches Problem löst sich dadurch, dass ich es überschlafe. Und vor allem sinkt die Fehlerhäufigkeit drastisch, da ich nicht übermüdet arbeite.
  • Ernährung
    Ich lege Wert auf gesunde Ernährung. Als Selbständiger nehme ich mir die Zeit, selbst zu kochen und ich nutze die Möglichkeiten, direkt beim Metzger, der selbst schlachtet und am Markt Regionalprodukte einzukaufen. Täglich Obst und Gemüse sind selbstverständlich.
  • Freunde
    Bewußt rekrutiere ich meinen Freundeskreis nicht aus dem Arbeitsumfeld, sondern achte auf eine breitere Mischung. Bekannte und sogenannte Freunde, mit denen sich nur “small talken” lässt, vermeide ich. Da habe ich lieber wenige, aber umso bessere Freunde.
  • Medien
    Fernsehen habe ich abgeschafft. Diese Reizüberflutung und Volksverdummung lässt mich nicht gut schlafen. Stattdessen gönne ich mir gute Bücher und Zeitschriften, die meinen Blick für andere Sichtweisen öffnen. Auf die Zeitschrift brandeins möchte ich beispielsweise nicht mehr verzichten.
  • Schlaf
    Schon immer habe ich gerne geschlafen und es genossen, ausgeruht den Tag zu beginnen. Schlechte Laune ist meiner Meinung nach auch eine Folge von Übermüdung.
  • Freude
    Je mehr eine Aufgabe Spaß macht, umso weniger arbeitet man ineffizient. Die Aufgabe selbst treibt einen voran. Im Gegensatz dazu entwickelt man unglaubliche Praktiken, wenn man sich am Arbeitsplatz langweilt, aber demonstrieren will, wie sehr man beschäftigt ist. Siehe dazu das Buch von Philippe Rothlin und Peter R.  Diagnose Boreout - warum Unterforderung im Job krank macht.

Seit ich selbständig bin, arbeite ich zeitlich gesehen mehr denn je. Aber ich kenne keinen Stress und ich bin sehr froh, jenee Welt, wie sie in der Süddeutschen in Mein Kollege sagt … Ich hab’ so viel zu tun beschrieben wird, hinter mir gelassen zu haben.

Kategorie: Existenzgründer und Selbständige, Arbeitnehmer

1 Kommentar zu ' Gestresst? Selbst schuld!'

Kommentare zu 'Gestresst? Selbst schuld!' mit RSSoder TrackBack abonnieren.

  1. herbert kommentierte am 14.08.2007 um 15:02 Uhr

    Viele wichtige Hinweise, die ich z.T. ebenfalls praktiziere, bei einigen habe ich eine differenzierte Meinung.

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