Telearbeit - Totgesagte leben länger
Vor etwa 10 Jahren waren die technischen Voraussetzungen gegeben, um einen Arbeitsplatz nach Hause verlegen zu können: Laptop und ISDN-Anschluss machten es möglich. In der ersten Euphorie wurde von leerstehenden Bürogebäuden und leeren Straßen zu Zeiten des Berufsverkehrs gesprochen. Firmen investierten in die Einrichtung von Telearbeitsplätzen, in der Hoffnung, Raumkosten sparen zu können. Bald wich die Euphorie jedoch Ernüchterung: Nur wenige Mitarbeiter nutzten das Angebot tatsächlich und wenn, dann nur in der zusätzlichen Nutzung des Telearbeitsplatzes. Die Gründe dafür waren:
- Fehlende Kommunikation sowie Austausch mit Kollegen
- Fehlende Disziplin, um die Voraussetzungen zuhause zu schaffen, um tatsächlich ungestört arbeiten zu können: Kinder, private Interessen, Ablenkung
- Vereinsamung
- Furcht, vom Vorgesetzten nicht wahrgenommen zu werden und so “vergessen” zu werden, auch im Hinblick auf Förder- und Karriereschritte
- Fehlende Unternehmenskultur: Die Anwesenheit, die Arbeitszeit zählt mehr als Ergebnisse. Das Vertrauen fehlt, dass der Mitarbeiter zuhause auch tatsächlich arbeitet
Aufgrund dieser Erfahrungen wurde schnell davon gesprochen, dass die Telearbeit keine Zukunft habe. Jedoch fast unscheinbar hat sich diese Art der Arbeit weiter etabliert: So bieten heute mittlerweile 18,5 Prozent aller Unternehmen Telearbeit an (s. Telearbeit geht nicht ohne Disziplin). Insbesondere die Form des zusätzlichen Arbeitsplatzes zuhause hat sich weiterhin behauptet: Einige Tage werden zuhause gearbeitet, einige in der Firma. Das wichtigste Argument für diese Arbeitsweise ist dabei sicherlich, dass die wirklich kreativen Ideen oftmals erst durch den Austausch mit Anderen geboren werden.
Ob sich daran in naher Zukunft durch nochmals verbesserte Techniken etwas ändert, mag dahingestellt sein. Eine weitere Zunahme der Telearbeitsplätze, auch hinsichtlich eines Ersatzes des Arbeitsplatzes in einem Firmengebäude hängt wahrscheinlich eher davon ab, wie sich unsere Einstellung und Nutzung der Kommunikationsmedien ändert. Vielleicht ersetzen SMS, Foren, Videokommunikation den heutigen Besprechungsraum oder auch das Geschäftsessen.
Kategorie: Arbeitnehmer