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Sonntag, 22. Juli 2007

Tipps zum Praktikum

Der Umgang mit Praktika führte in jüngster Zeit zu der Wortschöpfung “Generation Praktikum”. Mittlerweile ist es aber ruhiger um die Diskussion zum Praktikum geworden. Ich denke, das lässt sich vor allem zurückführen auf die verbesserte Konjunktur und die vermehrte Bereitschaft der Unternehmen, Personal einzustellen. Da aber Praktika auch in Zukunft ihre Bedeutung nicht verlieren werden, beschäftigt sich dieser Artikel damit, wann sie sinnvoll sind und was es dabei zu bedenken gibt.

Praktika sind zu empfehlen, um

  1. praktisches Wissen aufzubauen
    Eine gute Möglichkeit, das theoretische Wissen aus Schule und Universität in der Realität anzuwenden, sind Praktika. Werkstoffe, Materialien und Werkzeuge lassen sich in “die Hand nehmen”, um daraus Produkte zu erzeugen. Darüberhinaus kann ein Praktika soziale Kompetenzen trainieren. Auch Präsentieren, Moderieren, Führen, Projektmanagement u.ä. kann dabei geübt werden.
  2. sich an das Arbeitsleben zu gewöhnen
    Der Arbeitsalltag unterscheidet sich ganz wesentlich vom Schüler- und Studentendasein. Mehr als 8 Stunden konzentriertes Arbeiten, meist mit Kollegen in einem Raum zusammen, pünktliches Erscheinen zur Arbeit, Einhalten von Terminen sind Faktoren, die gerade am Anfang stressen können und so manchen abends nur noch müde ins Bett fallen lassen. 
  3. soziale Kompetenzen auszubilden und zu trainieren
    Gerade als Praktikant lassen sich gut soziale Kompetenzen erwerben. Normalerweise arbeitet man nicht allein, sondern arbeitet jemandem zu, darf vielleicht sogar in einem Team mitarbeiten. Dabei lernt der Praktikant Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit, Umgang mit Feedback, das Verhalten in Besprechungen und nicht zuletzt die Business Etikette.
  4. eine Testumgebung zu nutzen
    Im Praktikum ergibt sich eine hervorragende Möglichkeit, den Berufsalltag kennen zu lernen und sich selbst und sein Verhalten darin zu erleben. Als Praktikant wird einem so manches verziehen, was einem als Angestellter ein schlechtes Image, eine schlechte Beurteilung oder gar das Karriereaus einbringen würde. Deshalb nutzen Sie unbedingt die Gelegenheit durch Beobachtung von Anderen und sich selbst, durch Zuhören, durch Feedback und Kritik möglichst viel zu lernen.
  5. Beziehungen zu knüpfen
    Durch ein Praktikum kommen Sie mit der Personalabteilung, mit einer Fachabteilung, mit Nachbarabteilungen und eventuell mit Kunden und Lieferanten in Berührung. Die Möglichkeit, erste Kontakte zu knüpfen, ergibt sich. Sammeln Sie die Adressen, picken Sie sich auch mal eine interessante Person heraus und versuchen Sie, in näheren Kontakt zu kommen.
  6. in den Job einzusteigen
    Aufbauend auf den Kontakten und Ihre ersten Erfahrungen mit bestimmten Arbeitswelten ergeben sich immer wieder hervorragende Bedingungen, daraus ein festes Arbeitsverhältnis zu entwickeln. Nicht nur für Sie selbst stellt ein Praktikum ein Testumfeld dar, sondern viele deutsche Unternehmen nutzen gezielt diese Möglichkeit, um potentielle zukünftige Mitarbeiter kennen zu lernen und deren Potential zielgerichtet einzusetzen. So hat eine Studie von Robert Half Finance & Accounting herausgefunden, dass 77 Prozent der deutschen Unternehmen diesen Weg nutzen.

Praktika sind dagegen nicht (mehr) zu empfehlen, wenn

  1. Sie Ihr Studium, Ihre Ausbildung abgeschlossen haben und bereits 1-3 Praktika gemacht haben
  2. Sie älter als 28-30 Jahre alt sind. Es wird höchste Zeit für Sie, in den Beruf fest einzusteigen. Die sozialen und fachlichen Kompetenzen sollten vorhanden sein, um dieses auch durchzusetzen. Wenn es nicht gelingt, eine feste Anstellung zu bekommen, warum machen Sie sich dann nicht selbständig? Schlagen Sie diese Möglichkeit auch Ihrem potentiellen Arbeitgeber vor als Alternative zur Festanstellung.
  3. Sie nichts mehr wesentlich Neues erlernen können. Wenn Sie erkennen, dass Sie dem Unternehmen mehr nutzen, als das Praktikum Ihnen nutzt, sollten Sie verhandeln und den Schritt in die Festanstellung oder Selbständigkeit verfolgen.
  4. Sie erkennen, dass das Praktikum Sie nicht befriedigt, Sie nicht fordert und Sie Ihre Stärken nicht einsetzen können.

Wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um die eigene Ausbildungszeit als beendet anzusehen. Praktika gehören eindeutig zur Ausbildung und haben nichts mit Weiterbildung zu tun. Die Ausbildung ist dann abgeschlossen, wenn Sie als Angestellter oder Selbständiger Marktpreise für Ihre Arbeit und Ihre Ergebnisse erzielen.

Kategorie: Berufsanfänger, Arbeitnehmer

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