Faule, teure Deutsche?
Wer hätte das gedacht? Noch vor einigen Jahren hat ein amerikanischer Professor deutschen und schweizerischen Studenten mit “Germans are lazy”, also “Die Deutschen sind faul” konfrontiert. Und nun gibt es einen sensationell niedrigen Krankenstand und eine Studie, dass die deutschen Manager sogar mehr arbeiten als ihre amerikanischen Kollegen.
Die Bertelsmann Stiftung hat in einer interessanten Pressemitteilung veröffentlicht, dass die Deutschen inzwischen sogar zur Arbeit gehen, wenn sie krank sind. Als Beweggründe werden Pflichtgefühl und Rücksicht auf Kollegen genannt. Noch vor kurzem stand die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes im Vordergrund. Und die Kienbaum-Studie spricht davon, dass Deutsche Manager fleißiger als Amerikaner sind. So arbeiten vier Fünftel der Top-Führungskräfte mehr als 50 Stunden pro Woche. Offenbar besteht auch eine gewisse Abhängigkeit von der Höhe des Einkommens, da die Studie bei Managern mit einem Jahresgehalt von mehr als 200.000 Euro eine 60-70-Stunden-Woche aufweist. Die Arbeitsbelastung hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen und man spricht mittlerweile von Extremjobbern, also Menschen, die mehr als 60 Stunden pro Woche arbeiten. Hohes Einkommen, große Verantwortung und eine häufige Reisetätigkeit gehören dazu. Bei diesen Arbeitsbelastungen bleibt naturgemäß das Privatleben und die sogenannte Work-Life-Balance auf der Strecke.
Niedriger Krankenstand, Erhöhung der Arbeitszeiten, nicht nur bei den Managern, sondern generell die Anhebung der Wochenarbeitszeiten, wie sich zuletzt beim Tarifabschluss bei der Telekom zeigte. Tendenzen, die vor wenigen Jahren noch undenkbar waren, als die Gewerkschaften zur Verminderung der Arbeitslosigkeit die Verkürzung der Arbeitszeiten forderten und teilweise durchsetzten. Zu diesen Entwicklungen passt eine Meldung des Spiegels Die Russen kommen - ins Billiglohnland Deutschland. Noch vor wenigen Jahren haben manche deutsche Firmen zentrale Abteilungen, wie Personalabteilungen nach Russland outgesourct, da die Lohnkosten dort um einiges niedriger waren als in der Heimat. Viele Mitarbeiter sind auf diese Weise Opfer der “Globalisierung” geworden. Doch nun gibt es mittlerweile offenbar auch die gegensätzliche Tendenz.
Offenbar gleichen sich die Arbeitsformen und die Auswirkungen auf die nationalen Arbeitsmärkte immer stärker an. Ich bin neugierig, wie sich die weitere Zukunft vor dem Hintergrund der Globalisierung entwickeln wird.
Kategorie: Arbeitnehmer