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Freitag, 13. Juli 2007

Die Kunst, durch Scheitern erfolgreich zu werden

In den USA gehört es fast zu jeder erfolgreichen Unternehmensgeschichte: Der Gründer ist vorher bereits mit einer anderen Firma gescheitert. Das schadet seinem Image nicht. Ganz im Gegenteil: Dort geht man davon aus, dass er aus seinen Fehlern gelernt hat und diese in Zukunft nicht mehr machen wird.

In Deutschland vermisse ich diese Haltung. Die Insolvenz oder das Aufgeben einer Idee wird hier eher an den Pranger gestellt. Der Unternehmer trifft nicht auf Anerkennung für seine Risikobereitschaft, seinen Einsatz und seine Idee. Der Eine lacht über ihn, der andere deutet mit dem Finger auf ihn und sagt “hab ich doch gleich gesagt, dass das nichts wird”. Viele, die seinen Weg beobachtet haben und immer wieder ihre Zweifel geäußert haben, fühlen sich nun bestätigt. Im Gegensatz zu den Zweiflern trifft man als Gründer auf Mutmacher und Bewunderer nur ganz, ganz selten.

In den USA, im Silicon Valley bin ich einmal einem Unternehmer begegnet, der mich unglaublich beeindruckt hat. Sein Äußeres war bereits faszinierend: Er war fast so breit wie er hoch war und auf seinen Schultern saß ein kleiner Kopf. In seinem Gesicht blitzten zwei wache, intelligente Augen. Und wenn er seinen Mund aufmachte, hing jeder an seinen Lippen. Und was er ganz selbstverständlich als seine Lebensgeschichte erzählt hat, kann ich mir in Deutschland trotz aller Anstrengungen, hier Existenzgründungen zu fördern, nicht vorstellen.

Er selbst bezeichnete sich weniger als Unternehmer, sondern als Gründer. Ihm macht es Spaß, Unternehmen aufzubauen. Mittlerweile hat er sich an 13 Ideen versucht. Vom Wasserbett, Tierprodukten,  Medienagenturen bis hin zur IT-Firma war alles vertreten. Nicht alle Ideen waren erfolgreich. Gleich am Anfang ist er pleite gegangen und hat sein gesamtes Kapital verloren, dann wieder konnte er ein Unternehmen erfolgreich an der Börse platzieren oder verkaufen, dann wurde er von Geschäftspartnern über den Tisch gezogen und dann gelang es ihm, vom Fehler eines Anderen zu profitieren. Trotz mehreren Totalverlusten ist er mittlerweile mehrfacher Millionär. Doch seiner Leidenschaft, Unternehmen zu gründen, schwört er deshalb nicht ab. Seine größte Freude ist es, wieder etwas Neues zu lernen, Situationen zu erleben, die er trotz seiner großen Erfahrung noch nicht kennt und die ihn (heraus-)fordern. Fehler machen oder Scheitern ist für ihn überhaupt nichts Negatives, sondern Ansporn, es das nächste Mal besser zu machen. Und vor allem ist es Training, um immer besser zu werden und zu den Besten gehören zu können.

Verrückt? Nein, dieser Kerl ist mir Vorbild geworden. In meinem ganzen bisherigen Arbeitsleben habe ich niemals zuvor mehr gelernt als in der Gründungsphase. Die ursprünglichen Ideen existieren längst nicht mehr in der gedachten Form. Vieles habe ich ausprobiert, verworfen und irgendwann kristallisiert sich ein Weg heraus, der erfolgversprechend ist. Fast täglich scheitere ich bei Kleinigkeiten, komme nicht so voran, wie ich es mir vorstelle, muss Umwege gehen, mir eine andere Lösung einfallen lassen. Das Scheitern fördert die Kreativität.

Gott sei Dank gibt es nun auch in Deutschland die ersten zaghaften Pflänzchen, eine andere Einstellung zum Scheitern aufzubauen. Anne Koax hat mit ihrem Buch Insovent und trotzdem erfolgreich das Thema “salonfähig” gemacht und inzwischen beschäftigt sich sogar der Spiegel in Sackgassen im Beruf: “Zum Erfolg gehört auch Scheitern” damit.

Wer weiß, vielleicht erkennen sogar noch die Pessimisten und Dauerzweifler die Chancen des Mißerfolgs. Denn “Erfahrung ist die Summe der Mißerfolge”, wie ein Freund treffend seine Lebensphilosophie zusammenfasste. Und er gehört eindeutig nicht zu den Verlierern.

Kategorie: Existenzgründer und Selbständige

2 Kommentarezu ' Die Kunst, durch Scheitern erfolgreich zu werden'

Kommentare zu 'Die Kunst, durch Scheitern erfolgreich zu werden' mit RSS

  1. Klaus kommentierte am 27.11.2007 um 15:55 Uhr

    “kann man sich in der gesellschaft selbstbewusst positionieren, stellt sich früher oder später die angst vor einer bauchlandung ein. doch nach einer gewissen zeit immer die bilanz: mehr aufgestanden als gefallen zu sein. ”
    aus “scheitern(over)x von f.richter (http://www.4d-screen.de/txt_documents/scheitern01.htm)

  2. […] ist dabei nicht zu vergessen.  Aber sie sehen im Scheitern auch eine Möglichkeit, erfolgreich zu werden. Längst etabliert ist dieser Beruf in den USA. Lukasz Gadowski, der Gründer von […]

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