McKinsey im Goethe-Institut
In der Süddeutschen habe ich heute über das McKinsey-Projekt beim Goethe-Institut gelesen. Also auch im Kulturbereich das Berater-Gieskannen-Prinzip!
Ich gebe zu, ich habe ein sehr gespaltenes Verhältnis zu Unternehmensberatern, die abhängig von der jeweiligen Beratermode beraten und nie die Verantwortung für ihr Tun übernehmen. Oder haben Sie schon einmal einen Berater gesehen, der nach seiner Empfehlung in die langfristige unternehmerische Verantwortung mit seinem eigenen Kapital geht? Oder gar Mitarbeiter entlässt, die er seit Jahren kennt und deren Wert für das Unternehmen er immer betont hat?
Mit sehr ähnlichen Lösungskonzepten treten die Berater in den verschiedenen Unternehmen auf. Sehr gerne beziehen sich diese auf die Lösung, Kosten runter, d.h. Outsourcing, Mitarbeiter reduzieren, Prozesse verschlanken. Die Auswirkungen kennen Sie vielleicht als Kunde: Kontakt mit Anrufbeantwortern, Warteschleifen, Telefoncomputern statt mit einer Person. Wenn es dann doch gelingt, eine menschliche Stimme am Apparat zu haben, versteht diese das Problem nicht immer. Sie kennt den Kunden nicht, nicht sein Produkt mit dem er Ärger hat, nicht den Vorgang an sich. Nur selten werden die Mitarbeiter in Callcentern, und nur mit diesen hat man in den meisten Fällen als Kunde noch Kontakt, durch ein Kundensystem unterstützt, in dem tatsächlich alle Daten vorliegen.
Meine Reaktion auf diese Erfahrungen: Ich rufe nicht mehr an, wende mich bei Produkten an einen Laden um die Ecke, vermeide und kündige den Bezug von Dienstleistungen. Leider ist dies nicht immer möglich: Ohne Telefon- und Internetverbindung, ohne Strom, ohne Müllabfuhr, ohne Bankkonto, ohne Transportmöglichkeit komme auch ich nicht aus. Hier muss ich in den sauren Apfel beissen und suchen bis ich Anbieter finde, die einigermaßen kompetent sind. Was nicht immer gelingt.
Bislang hatte ich den Eindruck, dass wenigstens der Kulturbereich von diesen Praktiken verschont geblieben ist. Und nun diese Meldung! McKinsey-Konzepte auf den kulturellen Sektor, der durch Tradition, Lebendigkeit, Kreativität, Menschen geprägt ist! Wie passt das zusammen? Kulturaustausch über Computer, Begegnung virtuell in SecondLife?
Aber vielleicht sehe ich nur schwarz. Ich kenne ja gar nicht die Reform von McKinsey. Vielleicht, …., vielleicht präsentieren sie nicht in Powerpoint, vielleicht präsentieren nicht kulturell unerfahrene Youngster, sondern Philosophen oder Künstler, vielleicht ist die Lösung nicht Kostenreduktion und Personalabbau, sondern Personalaufbau, vielleicht haben sie eine kreative Lösung, die die Zeiten deutscher Kulturgrößen wiederbelebt.
Und hoffentlich ist letzteres nicht doch nur ein süßer Traum von mir.
Kategorie: Wirtschaft