Tarifeinigung bei Telekom - Sieg oder Unsieg für Arbeitnehmer?
Konzernumbau: Einigung zwischen Telekom und Verdi ; FAZ.NET, 20.06.2007
Nach mehreren Wochen Streik und zähem Verhandeln zwischen Gewerkschaft und Telekom ist der Kompromiss für die ausgelagerten Telekom-Mitarbeiter in Servicegesellschaften nun also gelungen: 4 Stunden länger arbeiten, 6,5% weniger Lohn, dafür keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2012, Ausgleichszahlungen durch die Telekom für die ersten 18 Monate 100%, dann 66% und schließlich 33%. Auch die verbleibenden Telekommitarbeiter erhalten einen Kündigungsschutz bis Ende 2009. Ein Verkauf der Gesellschaften erfolgt nicht vor Ende 2010.
Gerade als Kunde der Telekom begrüße ich die gefundene Lösung und vor allem das Ende des Streiks. Allerdings kann ich mich einem starken Bauchweh nicht entziehen: Wie lassen sich Unternehmensentwicklungen bis in die Jahre 2010 und 2012 vorhersehen? Wie sollen betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden, wenn Insolvenzen oder Unternehmensübernahmen heutzutage zum betrieblichen Alltag gehören? Die letzten Überbleibsel von BenQ werden gerade verkauft und versteigert, aber offenbar ist die Geschichte dieser Mitarbeiter ebenfalls bereits nichts weiter als Geschichte. Gelernt wurde daraus anscheinend nichts.
Meines Erachtens ist das Problem der Telekom alles andere als ein Kostenproblem, sondern vielmehr ein Serviceproblem, das sich in der schlechten Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit ablesen lässt. Solange die Telekom jeden Monat viele Tausend Kunden verliert, sind natürlich die Kosten zu hoch. Und das wird sich auch nicht ändern durch den neuen Tarifvertrag, ganz im Gegenteil. Die Unternehmensleitung ist in den nächsten Jahren gebunden hinsichtlich Mitarbeiter und Kosten, die Mitarbeiter sind unzufrieden, weil sie mehr arbeiten und weniger verdienen werden. Viel Gestaltungsspielraum bleibt bei einer derartigen Konstellation nicht. Oder kann die Telekom und ver.di in die Zukunft schauen? Sogar ein Verkauf scheint unmöglich, denn welcher neue Besitzer will schon ein Unternehmen erwerben, in denen die Arbeitszeiten, Zahl der Mitarbeiter und Einkommen auf 5 Jahre festgelegt sind? Man sollte nicht unbedingt darauf setzen, dass die Wirtschaft in dieser Zeit weiter boomt - wer hätte das schließlich vor einem Jahr gedacht - und der Telekom wie von selbst die Kunden zufliegen werden.
Meine Empfehlung an die durch den Tarifvertrag Betroffenen kann daher nur lauten: Nutzen Sie den Wirtschaftsaufschwung und suchen Sie sich einen Arbeitsplatz bei einem zukunftsfähigen Unternehmen. Einem Unternehmen, das nicht durch gravierende Managementfehler und durch Gewerkschaften in seinem betrieblichen Tun und Lassen eingeschränkt wird, sondern sich an den Erfordernissen des Markts und an den Kunden ausrichtet.
Kategorie: Arbeitnehmer