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Mittwoch, 6. Juni 2007

Alle Jahre wieder: “Sozialschmarotzer” unter den Arbeitslosen am Pranger

Kommentar zu
Überraschend viele Erwerbslose arbeiten schwarz; FAZ.NET, 02.06.2007
Schwarzarbeit auch unter West-Arbeitslosen hoch ; FAZ.NET, 05.06.2007

Offenbar ist es ein beliebtes Thema, jedes Jahr auf den Sozialmißbrauch unter den Arbeitslosen in der Politik und in der Presse hinzuweisen. 2003 machte “Florida Rolf” Karriere, nachdem “Bild” wochenlang über ihn als deutschen Sozialhilfeempfänger berichtete, der es sich in Florida eingerichtet hatte. Im Dezember 2006 entdeckte die gleiche Zeitung Henrico Frank als den frechsten Arbeitslosen. Und nun zeigt die Frankfurter Allgemeine mit ihrem Finger auf die Hartz-IV-Bezieher, die sich schwarz etwas dazu verdienen. Doch sind es wirklich die Arbeitslosen, denen man einenVorwurf machen kann?

Ich habe versucht, herauszufinden, was Schattenwirtschaft oder Schwarzarbeit eigentlich sind. Offensichtlich sind damit Tätigkeiten gemeint, für die keine Sozialabgaben und Steuern bezahlt werden. Ehrenamtliche Beschäftigungen und Hilfeleistungen durch Angehörige oder Lebenspartner oder in Form der Nachbarschaftshilfe zählen nicht dazu. Wohl auch nicht die Hausfrauenarbeit und häusliche Pflegearbeit. Bei der Putzhilfe, die wöchentlich die Wohnung sauber macht oder bei dem befreundeten Handwerker, der den tropfenden Wasserhahn für ein “Trinkgeld” repariert, sieht das freilich schon anders aus. Und natürlich noch einmal anders stellt sich die Angelegenheit dar bei den Bauarbeitern, die wochenlang für wenig Geld auf einer Großbaustelle arbeiten.

Betrachtet man diese Beispiele, zeigt sich, dass die Abgrenzung zwischen den einzelnen Tätigkeiten nicht so einfach ist. Gerade in Privathaushalten, also bei Endkunden wird ein Babysitter benötigt, eine Putzfrau, eine Umzugshilfe, ein Nachhilfelehrer, ein Gärtner oder einfach ein Handlanger. Früher war das einfach: Es gab Dienstboten und keine Sozialabgaben.

Heute werden diese Tätigkeiten wie damals entlohnt: relativ niedrige Stundenlöhne – obwohl so manche Putzhilfe mehr bekommt als eine ausgebildete Friseuse, bar auf die Hand, ohne Formalitäten, ohne Arbeitsvertrag, keine Ansprüche auf Arbeitslosengeld, Fortzahlung im Krankheitsfall, Kündigungsschutz, Unfallschutz am Arbeitsplatz, keine Rentenansprüche und ähnliche Leistungsforderungen.

Hand aufs Herz: Sind Sie sicher, dass Sie noch niemals Schwarzarbeiter beschäftigt haben? Wissen Sie, was Sie unternehmen müssen, um sich “gesetzeskonform” zu verhalten? Sind Sie bereit, für ein paar Euro diesen Aufwand zu betreiben? Und auf der anderen Seite, als Leistungserbringer: Wissen Sie, was alles zu tun ist, um sich selbständig zu melden bzw. einen Niedriglohn-Job oder 400-Euro-Job zu haben? Mit all dem monatlichen Verwaltungsaufwand? Können Sie das oder brauchen Sie dann nicht gleich wieder Hilfe Anderer?

Ich meine, solange es nicht einfacher gemacht wird, sich “richtig” zu verhalten, wird sich an der heutigen Praxis, mal schnell ein paar Euroscheine für eine erbrachte Leistung rüberzuschieben, nichts ändern. Und dass sich natürlich gerade Arbeitslose gerne ein bißchen etwas zu Ihrer Stütze hinzuverdienen wollen, wer kann es ihnen verdenken? Die meisten unter ihnen sind schlecht ausgebildet und sich wahrscheinlich gar nicht bewußt, etwas falsch zu machen. Erst wenn ihnen das Arbeitslosengeld gekürzt oder gestrichen wird, fragt sich wohl der Eine oder Andere, wie er es anders anstellen hätte sollen. Den meisten fällt dann möglicherweise nur ein, auf Eigenengagement zu verzichten, um nicht die regelmäßigen Zahlungen des Arbeitsamtes zu gefährden. Ist das der richtige Weg?

Im ArbeitsRatgeber finden Sie weitere Informationen und Adressen zur Schwarzarbeit

Kategorie: Arbeitslose

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