Freitag, 1. Juni 2007
Was Doping und Schmiergeldaffäre gemeinsam haben
Eigentlich ist es ein seltsamer Zufall: Die größte Schmiergeldaffäre und der größte Dopingskandal in Deutschland fallen zeitgleich zusammen. Und sie weisen jede Menge Parallelen auf:
- Die betroffenen Protagonisten sind die Stars
Es sind die obersten Manager in der Wirtschaft: Aufsichtsratvorsitzende, Vorstandsvorsitzende, Betriebsratsvorsitzende, Bereichsleiter. Auf der sportlichen Seite die großen Namen: Tour de France-Sieger - Die Betroffenen stritten bis zuletzt jedes Wissen und jede Beteiligung strikt ab
Die Manager wussten von nichts und zeigten sich fassungslos, dass schwarze Konten in Millionenhöhe existierten, die offenbar dazu dienten, sich Aufträge zu erkaufen. Das konnte nicht sein und im übrigen gibt es einen Verhaltenscodex, der genau dies untersagt und den alle Mitarbeiter unterschreiben müssen. Offenbar haben einige Angestellte kriminelle Energien entwickelt und das sogar, ohne sich dabei direkt persönlich zu bereichern . Im Radsport wiederum wurde und wird seit Jahren auf die verschiedenste Weise systematisch gedopt. Pillen werden eingenommen und Spritzen verabreicht, aber der Betroffene hat keine Ahnung, was mit ihm geschieht. Die Funktionäre behaupten eisern “bei uns wird nicht gedopt, wir sind sauber”. - “Branchenkenner” wundern sich über die erzielten Leistungen
Jeder, der jemals im Osten und in arabischen Ländern geschäftlich zu tun hatte, weiß, dass ohne gewisse Formen von Backschisch kein Auftrag in bedeutender Höhe zu erzielen ist. Jeder, der sich einmal selbst dem Radsport auf Leistungsbasis genähert hat, hat eine Vorstellung, welche Leistungen erzielbar sind und wunderte sich über seinen gigantischen Abstand zur Elite. Offenbar handelt es sich bei diesen um Wundermänner, um Supermen. - Höchstleistungen sind offenbar nur durch außergewöhnliche Maßnahmen erzielbar
Weder die dopenden Sportler noch die bestechenden Mitarbeiter haben es wohl freiwillig getan. In beiden Fällen steht die Motivation, Karriere zu machen, der Beste zu sein, im Rampenlicht zu stehen, dahinter. Und dafür werden sie fürstlich belohnt. In der Wirtschaft gehörte es zur - natürlich nicht schriftlich festgelegten - Aufgabenstellung gewisser Personen, dafür zu sorgen, dass der Auftrag gewonnen wurde. Die Ziele werden entsprechend in den Zielvereinbarungen definiert, aber nicht die Mittel. - Alles sind nur Gerüchte und üble Nachrede
Sobald erste Stimmen über Doping und Bestechung auftauchen, heißt es “nur Gerüchte, an denen nichts dran ist”. Die Gerüchte beginnen im näheren Umfeld und weiten sich dann systematisch aus bis die gesamte Öffentlichkeit am Stammtisch und zuhause darüber diskutiert. Nur die Betroffenen hören und sehen nichts.
Doping und Schmiergeldaffäre haben also jede Menge gemeinsam. In der Wirtschaft ist es halt schwierig mit Medikamenten bessere Leistungen zu erzielen und im Sport aufgrund der technischen Kontrollmöglichkeiten nicht so einfach, die Uhren und Livebilder im Fernsehen zu manipulieren.
Kategorie: Wirtschaft
Gebloggt von Angela ·
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